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Noch einmal mit Gefühl

Hype, Hype, Hurra! Die Presse hat einen neuen Liebling gefunden, der so gar nicht in das übliche Schema passt - ein Computer-Spiel namens „Life Is Strange“. Wenn sogar die BILD über ein „das gefühlvollste Abenteuer des Jahres“ schreibt und der Spiegel dem Ganzen einen feuilleton’schen Artikel widmet, dann ist eines klar: Wir haben es mit einer kleinen Revolution zu tun, die uns sagt, dass die Menschen wieder Geschichten wollen. 

Dabei ist „Life Is Strange“ weder neu in seiner Idee, noch technisch auf einem außergewöhnlichen Niveau. Das französische Studio Dontnod musste für das Projekt mit einem extrem geringen Budget auskommen und hat es – bis auf ein paar Ausnahmen - fantastisch genutzt. 

In „Life Is Strange“ übernehmen wir die Rolle von Max, einer Teenagerin in Arcadia Bay, mit den üblichen Problemchen, den üblichen Schwärmereien, den üblichen Peinlichkeiten. Max kehrt nach längerer Zeit in ihre Heimatstadt zurück, um dort Fotografie zu studieren. Seit Jahren hat sie Ihre Jugendfreundin Chloe nicht mehr gesprochen. Das Leben hatte die beiden auseinander geführt.

Wenn hier das Wort „Soap“ in den Sinn kommt, wäre das nicht so falsch. Andererseits schaffen es die Autoren mit einem Plot-Twist, die Geschehnisse komplett auf den Kopf zu stellen. Durch Zufall und durch eine Extremsituation in die sie gerät, trifft Max nicht nur Chloe wieder, sondern stellt fest, dass sie die Zeit zurückdrehen kann. Sie kann also verhindern, dass Menschen etwas zustößt. Sie kann peinliche Momente einfach neugestalten. Insgeheim ein Traum eines jeden von uns. 

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Das Ende der Sicherheit

"Der Computer arbeitet deshalb so schnell, weil er nicht denkt.“

Was der Aphoristiker Gabriel Laub damit meinte, ist oft nicht so ganz klar. Wenn wir sehen, wie uns Google Now plötzlich unseren Tag organisiert und Siri uns Antworten auf Fragen gibt, die uns beschäftigen, dann scheinen die Grenzen zwischen Maschine und Gehirn zu verschwimmen. Die einen haben eher Angst vor der Entwicklung, andere begrüßen sie und wenige treiben sie voran und sitzen somit an den Ölquellen der Zukunft. Daten sind das Rohmaterial der Zukunft aus dem Konzerne Wissen raffinieren. Wissen über ihre Kunden, Wissen über die Umwelt, in denen sie sich bewegen. Aus diesem Kontext destilliert der Suchmaschinenriese – dessen Suchmaschine schon lange nur mehr ein Produkt von vielen ist – Profile über uns. Zum einen nützen uns diese Profile immens: Unsere mobilen Begleiter kennen unsere Pendelstrecken, machen Vorschläge, erklären uns unser Umfeld. Andererseits wissen wir natürlich nicht ganz genau, womit diese Profile sonst noch verknüpft werden.

Die Google-Timeline weiß schon jetzt sehr genau, wo wir einkaufen und wo wir uns aufhalten. Aber sie weiß theoretisch auch, welche Ärzte wir besuchen:

https://www.google.com/maps/timeline

Doch zurück zum Denken. Im Moment ist Wissen einfach nur Wissen. Wir können noch nicht ein echtes Gehirn nachbilden, das intelligente Schlussfolgerungen macht. Wir können nur so tun, als ob. Wir können die geschätzten 100 Milliarden Nervenzellen unseres Denkapparates nachbilden, aber es ist noch nicht gelungen, sie mit einer Seele und einem Charakter auszustatten. Es spielen viel mehr Parameter eine Rolle, als eine reine Reizübertragung per Elektroimpuls.

Computer mögen schneller sein, als wir, aber das liegt auch daran, dass sie sich auf genau eine Sache konzentrieren können. Wir nicht. Auf uns prasseln jede Millisekunde unzählige Informationen ein, die verarbeitet werden wollen und die uns fühlen lassen.

Gut so!

Geräte sollen Werkzeuge sein, die uns den Alltag erleichtern, die uns Spaß machen, und nicht Ersatzfreunde.

 

Euer VIT-Journal-Blogger Patrick Schönberger, Geschäftsführer der Label3 GmbH, Deggendorf. Du erreichst mich unter ps@vit-journal.de

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