LabeL3 Banner

Aktuelles

Figaro, Figaro, Figaro …

9. Zwischenruf
5. Mai 2020

Seit heute weiß ich, dass in diesem Land die Prioritäten ganz anders gelagert sind, als dass wir es in der Schule, in der Erziehung in unserem Leben als Mitglied der Gesellschaft bisher geglaubt hatten. Es ist nicht die Existenz des Individuums, das im Vordergrund steht, es ist nicht das Wohlergehen des Kollektivs, das in anderen Staatsformen jahrzehntelang propagiert wurde, es ist nicht das Gesundsein oder -bleiben, welches wir so gerne in den Vordergrund stellen. Nein! Es ist in aller erster Linie der Frisörbesuch und an zweiter Stelle der heiß ersehnte Jahresurlaub. Das alles hat so wenig mit Gesundheit zu tun, wie der Schweinebraten mit einem Erdbeereis, ist aber den Deutschen ungeheuer wichtig. Zumindest kommt man zu diesem Schluss, wenn man einen Abend nach der Öffnung der Figaros die Nachrichten über dieses epochale Ereignis und die Statements der Kunden in den Nachrichten anhören musste. In Schwerin beispielsweise, öffneten die Haarschneider bereits um eine Minute nach Mitternacht, so dringend warteten die Delinquenten auf die Schur ihrer siebenwöchigen Haarpracht. Frauen sprachen von „nur noch schwer auszuhaltenden Zuständen“ – Männer von „kaum mehr abzuwartenden Maßnahmen“. Wohl gemerkt: Waschen und Föhnen, das ging auch in den vergangenen Wochen, die Sauberkeit ließ noch keine Flohnester entstehen, der Juckreiz, durch Nissen-Bisse verursacht, ließ sich durchaus im Zaum halten. Das Einzige, das litt war wohl das Schönheitsempfinden Einzelner. Ein lässliches Problem, wenn man dagegen den Infektionsschutz stellt, der vieles erforderlich machte, was jetzt langsam wieder vergessen werden soll.

Weiterlesen

Wenn Helden zum Saufutter werden

8. Zwischenruf
11. April 2020

In den Supermärkten arbeiten nur noch Helden, auf alle Fälle keine Mindestlohnbezieher. Die Lastzüge auf deutschen Autobahnen werden plötzlich von Helden gesteuert – nicht mehr von gestressten, unter Druck stehenden Lenkzeiten-Überschreitern. Pflegekräfte und Ärzte sind in den Heldenhimmel aufgestiegen, und keine überlasteten 36 Stunden Bereitschaftsdienste ableistende Gewinngaranten für deutsche Kliniken. Über Polizisten plant garantiert schon der erste Privatsender eine vielteilige Serie unter dem Titel „Helden auf Streife“. War es in Italien noch emotional, ehrlich und deshalb auch ergreifend, als die Tifosi um 12 Uhr mittags an offenen Fenstern und Balkonen ihren Helfern applaudierten, so gibt sich das deutsche Heldenepos durch die inflationäre Verwendung der Heroen selbst der Lächerlichkeit preis.

Weiterlesen

Da wird der Mensch wieder zum Tier

7. Zwischenruf

30.3.2020

Wer glaubte, dass die Zivilisation den modernen Menschen zu einem besseren Individuum gemacht hätte, sieht sich in Krisensituationen meist getäuscht. Kaum belegt man Gesellschaften mit Ausgangsbeschränkungen, verfallen sie in die alten Gewaltrituale. Die Fälle häuslicher Gewalt nehmen zu weil sich testosterongesteuerte und meist auch noch alkoholgeschwängerte Vollpfosten nicht in der Gewalt haben. In China ist während der Ausgangssperre der Anteil an psychisch schwer geschädigten Personen aufgrund von Gewalteinwirkungen signifikant gestiegen. Denn plötzlich sind Flucht-Möglichkeiten versperrt. Der Weg zur Freundin oder heim zu den Eltern das alles ist nicht mehr möglich wenn der Partner hohldreht und sich über Frau und Kind hermacht. Die einseitige Geschlechterdarstellung sei erlaubt, denn der weitaus überwiegende Teil der Gewaltanwendungen im häuslichen Heim geht nun einmal von dem aus, was sich gemeinhin als der „Herr der Schöpfung“ bezeichnet.  So gaben in einer Pilotstudie 2004 des Bundesgesundheitsministeriums zwar 26 % der Männer an schon einmal (höchstens zwei Mal) Gewalt von der Partnerin erfahren zu haben. Keiner von ihnen gab an verprügelt oder zusammengeschlagen worden zu sein. Vielmehr erlitten sie Kratz- oder Bisswunden, wurden angerempelt oder weggeschubst. Da kommt das Tier zum Vorschein, das in uns schlummert, das wird derjenige, der auswärts gern das Wildschwein rauslässt plötzlich zum Hausschwein!  Dabei steckt hinter häufigem Macho-Gehabe ein frustrierter, verunsicherter, von Selbstzweifeln geplagter Mensch, der endlich die Schwächeren gefunden hat, die er drangsalieren und peinigen kann. Zivilisation hin, moderner Mensch her – die Gewaltbereitschaft der Individuen ist auch heute (oder gerade heute) wieder grenzenlos.

Weiterlesen

Wenn der Anstand der Gier zum Opfer fällt

6. Zwischenruf
28. März 2020

Gier und Raffsucht haben uns in die missliche Lage gebracht, von einem menschenverachtenden System wie dem Chinas abhängig zu werden. Rücksichtslosigkeit und das Fehlen jeglicher moralischeren Grundsätze waren Kompass und Leitmotive für eine Entwicklung, die das Streben nach unanständig hohen Gewinnen vorangetrieben hat. Gewinne zu erzielen, das ist die Absicht, die sich hinter jeder geschäftlichen Aktivität verbirgt und sie ist per se das Treibmittel einer erfolgreichen Wirtschaft. Nur sie ist in der Lage Arbeitsplätze zu schaffen, Forschung zu betreiben und gesellschaftlichen Wohlstand zu garantieren. So weit so gut. Wenn aber das Streben nach Gewinn der einzige Motor von Unternehmensphilosophien wird, dann löst sich die betriebswirtschaftliche Notwendigkeit von der volkswirtschaftlichen Vernunft. Dann stellt man – leider meist zu spät – fest, dass Schlüsselbetriebe verkauft, ganze Produktionszweige verlagert und lebenswichtige Medikamente nicht mehr hergestellt werden können. Das alles, weil übliche Gewinne durch die Einsparung von Kosten zu unanständigen hohen Gewinnen mutierten. Jetzt sollen, durch staatliche Eingriffe garantiert, solche Schlüsselproduktionen im eigenen Land aufrechterhalten werden. Die Einsicht kommt gerade zu einer Zeit, in der ganz Deutschland Gefahr läuft, den Kampf gegen die Corona-Pandemie allein schon wegen fehlender Schutzmasken und Schutzkleidung zu verlieren.

Weiterlesen

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok Ablehnen