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Wie dumm muss man eigentlich sein…

4. Zwischenruf
25. März 2020

In funktionierenden Demokratien werden sie gern als die vierte Macht im Staat bezeichnet. Medien nehmen in unserer Gesellschaft eine Sonderstellung ein. Ihnen gebührt die Aufgabe die Legislative, die regierende Staatsgewalt also, zu kontrollieren oder zu kritisieren, für die erforderliche Transparenz zu sorgen und auch die Finger in jene Wunden zu legen, die Regierende gern verheimlichen wollen. Das ist ein ehernes Gut unseres Staatswesens, das zu verteidigen eine ebenso ehrenwerte Aufgabe ist. Doch wer kritisiert sie, die berufsmäßig zu Kritikastern werden? Niemand, weil sich keiner traut? Niemand, weil man dann in die rechte Ecke jener Soziopathen gesteckt wird, die ihrerseits die Mär von der Lügenpresse in die Welt gesetzt haben? Niemand weil selbst Medienschaffende den Spruch kennen gemäß dem man sich zwar mit einem Redakteur anlegen darf, niemals aber mit einer Redaktion.


Dabei gehen mir diese selbstgerechten Kollegen dermaßen auf den Senkel, dass ich weder RTL- Corona-Sondersendungen noch die ARD Tagesthemen schauen mag. Da entschließt sich die Bayerische Landesregierung zum Schutz der Individuen zu harten und einschneidenden Maßnahmen, schon schickt RTL Reporterteams los, um nachzusehen ob denn die „freiheitsliebenden Bayern ihrem Staatenlenker und seinen Verboten Folge leisten. Dass der so gebriefte Reporter dann hilflos am Königsplatz in seine Sprechmuschel nuschelt und feststellt „ich find hier keinen, da ist niemand“ das hat schon etwas humoreskes. Die penetranten Suggestiv-Fragen an einzelne Passanten, ob sie denn den Entzug ihrer persönlichen Freiheit einfach so hinnehmen wollen, beantworten dann die durchwegs bayerischen Gemüter mit bestätigenden Aussagen in der Art, als „dass man das hätte schon viel früher machen sollen“, „dass es gut sei“ oder „dass das alles nix hilft und der Söder schon recht hätte“. Das lief wohl nicht ganz so im Sinne des Herrn Redakteurs, der seinem Beitrag eigentlich eine aufrüttelnde, eher staatsgefährdende, weil in die Freiheitsrechte eingreifende Entwicklung aufzeigen wollte.
Bei manchen Fragestellungen in den vielen tausenden von Sendeminuten Corona-Sondersendungen stellt sich mir häufig die Frage. „Wie dumm muss man eigentlich sein, um Journalist werden zu können?“ Das, was da jetzt abgeht hat rein gar nichts mit einem Staatsstreich zu tun, sondern dient der Vorsorge und der Gesundheit des Volks. Diese Einschränkungen wurden zum Schutz der Bevölkerung in Kraft gesetzt. Der Berichterstatter, der das immer noch nicht kapiert hat, der sollte doch einmal im Norden Italiens recherchieren. Das empfehle ich auch Ingo Zamperoni, Sprecher der ARD-Tagesthemen. Auch er einer dieser Entrüstungsfragen stellenden Herren der angesichts der Herabsetzung der Beschlussfähigkeitsgrenze der anwesenden Parlamentarier im Deutschen Bundestag von der Hälfte auf ein Viertel von „Angst um die Demokratie“ faselt und einen Wolfgang Schäuble immer und immer wieder mit Fragen über die große Gefahr des schwindenden Parlamentarismus geißelt. Lieber Zamparoni, da ging es nicht um das Ermächtigungsgesetz, das den Nazis die Übernahme des damaligen Reichstages ermöglichte. Es ging dabei um nichts anderes als um eine reibungslose (durch gebührenden Stuhl-Abstand möglichst ansteckungsfreie) Abstimmung anlässlich des größten Hilfspakets das in der Bundesrepublik Deutschland je geschnürt wurde. Diese Entrüstungsduselei meine Kolleginnen und Kollegen macht Euch nicht zu Helden der Demokratie, sondern zu Nervensägen. Ihr verhaltet Euch ähnlich wie die Grüne Annalena Baerbock, die der Meinung war, dass Söder vorgeprescht sei, nicht aber verstanden hat, dass sie selbst ganz einfach hinterherhinkte. Nicht anders Norbert Walter Borjans, aktiver Sterbehelfer der SPD dem ein abgestimmtes Verhalten lieber gewesen wäre. Ja verdammt, auf was wollt Ihr denn noch alle warten? Ihr alle haben vermutlich den Schuss noch nicht gehört, der vom Corona-Virus Sasrs Cov-2 in all unsere Trommelfälle gehämmert wurde. All diesen Zauderern, den Betulichkeit-Predigern und den vermeintlichen Demokratie-Mahnern sei gesagt: Das Leben ist einfach zu kurz um irgendwann einmal damit zu beginnen.

Wolfgang Lichtenegger
Herausgeber des VIT-Journal

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