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Ein Gruß gegen den Angstmoloch: „bleib g’sund!“

3. Zwischenruf
22. März 2020

„… und bleib g‘sund!“ ein Grußwort, das uns in der Vergangenheit als gedankenlose Floskel wie eine Selbstverständlichkeit über die Lippen kam, gewinnt derzeit an emotionaler Tiefe. Mir zumindest ergeht es so, dass ich beim Hören des Grußes eine tiefe Dankbarkeit empfinde, dass ich erkenne, dass diese drei Worte ganz anders klingen als sie am Ende eines Telefonates bei dem über Geschäfte, die letzte Grillparty oder das wieder einmal versaute Fußballspiel der heimischen Mannschaft gesprochen wurde, geklungen hat. Dabei plagen uns zurzeit wirkliche Sorgen, weiß kaum einer von uns, wie es wirtschaftlich weitergeht, ob die nächsten Rechnungen noch bezahlt werden können, wie die Mitarbeitern bezahlt werden sollen, ob sich das eigene Geschäft aufrechterhalten lässt.

„… und bleib g’sund!“ strahlt in der jetzigen Zeit so viel mehr aus, als nur das Aussprechen eines Wunsches. Man hört, die Sorge, die sich dahinter verbirgt, fühlt sich aufgenommen in das Fühlen eines Anderen. Man fühlt sich behütet, verstanden, mitgenommen. Es tut gut, behütet, verstanden und mitgenommen zu werden. Es tut gut, in einer Zeit, in der Existenzen zu Grunde gehen, riesige Traditionsunternehmen straucheln, Tausende und Abertausende um ihr wirtschaftliche Zukunft bangen und der Angstmoloch Sars CoV-2 seine todbringenden Schatten voraus wirft. Dort, wo jetzt Hotels in Notkliniken umfunktioniert werden, wo Containerdörfer mit Etagenbetten entstehen oder Hallen zu Lazaretten ausgebaut werden wird schon bald Gevatter Tod einziehen. Eines ist sicher, wenn diese Betten gebraucht werden, beginnt auch bei uns das einsame Sterben, hält ein Siechtum Einzug, das von Angehörigen abgeschottet, in der totalen Einsamkeit zu Ende gehen wird. Diese Betten sind für jene vorbereitet, die erkranken, wenn uns die Welle der Infektionen am schlimmsten trifft. Wenn Ärzten und allen medizinischen Helfern das Heft des Handelns von Gevatter Tod schon längst aus der Hand genommen worden ist. Diktiert einmal das Sterben den Alltag in diesen Behelfskliniken werden die Helfer unwillkürlich zu Knechten jenes Todes der in seiner Unbarmherzigkeit seinen Daumen dadurch senkt, dass die Beatmungsgeräte nicht mehr ausreichen. Er trifft dann die letzte Entscheidung durch die Wahl desjenigen, der entscheidet, wem die Zufuhr von Sauerstoff noch gewährt wird. Ich gestehe es freimütig: Davor habe ich eine Scheiß-Angst.
Vielleicht gerade deshalb ist der ehrlich gemeinte Gruß so wohltuend, so hoffnungsspendend, so umsorgend, dass man nicht mehr müde wird ihn zu hören. Viel wichtiger aber ist es ihn auch zu sagen oder zu schreiben: Also: „bleib g’sund!“

Wolfgang Lichtenegger
Herausgeber des VIT-Journals

VIT-Journal arbeitet an Hilfsplattform

Mit Hochdruck arbeitet ein Team des VIT-Journal an einer Plattform, auf der Hilfen für Senioren oder Erkrankte organisiert werden können. Wer den älteren Herrschaften Einkäufe abnehmen, Fahrten für sie erledigen oder anderweitig Hilfe anbieten kann hat in Kürze die Möglichkeit sich an der Facebook-Gruppe „Corona-Hilfe: Du bist nicht allein“ anzumelden. Die Plattform ist zunächst für den Altlandkreis Viechtach konzipiert, kann sich aber auch darüber hinaus entwickeln, wenn sich entsprechend Administratoren bereit erklären. Die Dienstleistung soll für Helfer und Hilfesuchende kostenlos sein – in Kürze dazu mehr.

Wäre Impotenz eine gerechte Strafe?

2. Zwischenruf

Ich würde heuer noch ganz gern 65 Jahre alt werden. Vor zwei Jahren habe ich eine Lungenentzündung überstanden, ich leide seit 14 Jahren an einer Herzschwäche, die Transaktionsleistung (Pumpleistung) meines Herzens liegt unter 20 % und ich habe Diabetes. Keine sonderlich guten Voraussetzungen, wenn das Coronavirus ante portas steht. Bisher war ich der Meinung, dass ich das alles schultern könnte, erstmals wird mir das Heft des Handelns aus der Hand genommen. Ich bin Realist genug um einzuschätzen wie das im Ernstfall ausgehen wird. Dass ich mich dennoch am Tag stundenweise mit dem Thema beschäftige? Weil ich wissen will, wo der Feind steht, wie er zuschlägt und was wir unternehmen müssen, um dem Unausweichlichem vielleicht dennoch entkommen zu können.

Wie heißt es so schön? Die Hoffnung stirbt zuletzt. Und so hoffe ich, dass wir es in Deutschland schaffen, die Ansteckungskurve so zu verflachen, dass auch alle schwer erkrankten Patienten die bestmögliche Behandlung erfahren. Beispiele gibt es, die Mut machen. Frankreich ist so eines. Macron war uns in der Umsetzung drastischer Maßnahmen immer ein paar Tage voraus. Er schloss eine Woche früher die Schulen, war beim Zusperren der Geschäfte schneller und haderte auch nicht mit dem Ausrufen des Ausnahmezustandes – der Lohn? Frankreich hat (Stand 19.3. um 22 Uhr) um ein Drittel weniger Infizierte als Deutschland. Vor einigen Tagen betrug der Unterschied gerade einmal 14 Prozent – und der Abstand wird größer. Während hierzulande die Zahl der Erkrankten von Tag zu Tag um 31 Prozent* zunimmt und sich so jeden dritten Tag verdoppelt ist die Zunahme in Frankreich mit 27 Prozent* signifikant geringer. Verändern sich diese Zahlen innerhalb einer Woche nicht, hat Frankreich in einer Woche rund 58.600 Infizierte (11.000**), Deutschland dagegen 101.300 Infizierte (15.300**).
Soll heißen, es lohnt sich, soziale Kontakte zu meiden. Das sei noch einmal all jenen ins Stammbuch geschrieben, die sich weiterhin in Gruppen treffen, Corona-Partys feiern oder anderweitige Saufgelage abhalten müssen. Schade nur, gerade die werden es nicht lesen, weil es dazu einer Grundintelligenz bedarf, die ich diesen Menschen einfach abspreche. Es sind diejenigen, die in Filmen wie „Walking Dead“ auf der anderen Seite der Zäune dahinvegetieren nur ihr eigenes Vergnügen als Maßstab ihres Handels sehen. Wenn ich mich auf diese Gruppe der Rücksichtslosen so extrem einschieße, dann hat das vielleicht auch damit zu tun, dass ich mich selbst - aber auch viele in meinem Alter - durch diese Dumpfbacken gefährdet sehe. Das macht mich wütend, weil ich zum ersten Mal in meinem Leben eine Situation nicht selbst im Griff habe, weil uns andere gefährden, ohne dass wir dagegen etwas tun können.
Gäbe es die Feen, die Wünsche erfüllen, wäre der meine, dass sich all jene Unvernünftigen anstecken, schnell gesund werden aber als Spätfolge an Impotenz leiden sollten. Dann hätte die Gesellschaft der Zukunft wenigsten die Chance von vielen, vielen Dumpfbacken befreit zu sein, weil der Ausbreitung der Dummheit damit Grenzen gesetzt wären.


Wolfgang Lichtenegger
Herausgeber des VIT-Journals

*Quelle: Die Zahlen stammen aus Untersuchungen der John Hopkins Univerity in Baltimoore, USA. Die Forscher sammeln weltweit die Daten zum Corona-Virus und werten die Entwicklungen aus.
** die Angaben in Klammern betreffenden Stand vom 19.3.2020 um 22:00Uhr.

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