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Aktuelles

Die Krise gebärt neue Stars

5. Zwischenruf

26. März 2020

Hätte ich vor Wochen gefragt, wer Alexander Kekulé, Christian Heinrich Maria Drosten, Hendrik Streek und Lothar Hein Wieler seien, dann hätten wohl 99 Prozent der deutschen Bevölkerung mit den Schultern gezuckt. Im Geist hätte der Eine vielleicht seine Suche im Rich der Boygroups gestartet, während der weniger musikbegeisterte Zeitgenosse vielleicht die Spielberichte des fußballkickenden Nachwuchses durchleuchtet hätte. Zugegeben, vielleicht fällt es der Mehrheit in dieser ungestützten Form auch heute noch schwer, die Typen, die sich hinter den Namen verbergen, identifizieren zu können. Nennt man ihre akademischen Grade, die allesamt das dem Mindestmaß eines Doktors und Professor aufweisen, dann dürfte es schon bei der Mehrheit klingeln. In Wirklichkeit sind ihre Gesichter nahezu jeden Abend in unseren Wohnzimmern zu Gast, flimmern aus allen Kanälen und vielen Formaten, aus Studios, Fernsehpulten oder Pressekonferenzen aus den LED-Flachbildschirmen in die wissbegierige Familiengemeinschaft. Es sind die Wissenschaftler, die in der Fachwelt aufgrund ihrer bisherigen Leistungen weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt sind. Ihre beruflichen Titel sind so lang, dass Rattenschwänze eine viel zu kurz geratene Bezeichnung wären. Ich habe Sie am Ende des Artikels zusammengefasst, weil sie sonst jeden Lesefluß sprengen würden.

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Wie dumm muss man eigentlich sein…

4. Zwischenruf
25. März 2020

In funktionierenden Demokratien werden sie gern als die vierte Macht im Staat bezeichnet. Medien nehmen in unserer Gesellschaft eine Sonderstellung ein. Ihnen gebührt die Aufgabe die Legislative, die regierende Staatsgewalt also, zu kontrollieren oder zu kritisieren, für die erforderliche Transparenz zu sorgen und auch die Finger in jene Wunden zu legen, die Regierende gern verheimlichen wollen. Das ist ein ehernes Gut unseres Staatswesens, das zu verteidigen eine ebenso ehrenwerte Aufgabe ist. Doch wer kritisiert sie, die berufsmäßig zu Kritikastern werden? Niemand, weil sich keiner traut? Niemand, weil man dann in die rechte Ecke jener Soziopathen gesteckt wird, die ihrerseits die Mär von der Lügenpresse in die Welt gesetzt haben? Niemand weil selbst Medienschaffende den Spruch kennen gemäß dem man sich zwar mit einem Redakteur anlegen darf, niemals aber mit einer Redaktion.

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Ein Gruß gegen den Angstmoloch: „bleib g’sund!“

3. Zwischenruf
22. März 2020

„… und bleib g‘sund!“ ein Grußwort, das uns in der Vergangenheit als gedankenlose Floskel wie eine Selbstverständlichkeit über die Lippen kam, gewinnt derzeit an emotionaler Tiefe. Mir zumindest ergeht es so, dass ich beim Hören des Grußes eine tiefe Dankbarkeit empfinde, dass ich erkenne, dass diese drei Worte ganz anders klingen als sie am Ende eines Telefonates bei dem über Geschäfte, die letzte Grillparty oder das wieder einmal versaute Fußballspiel der heimischen Mannschaft gesprochen wurde, geklungen hat. Dabei plagen uns zurzeit wirkliche Sorgen, weiß kaum einer von uns, wie es wirtschaftlich weitergeht, ob die nächsten Rechnungen noch bezahlt werden können, wie die Mitarbeitern bezahlt werden sollen, ob sich das eigene Geschäft aufrechterhalten lässt.

„… und bleib g’sund!“ strahlt in der jetzigen Zeit so viel mehr aus, als nur das Aussprechen eines Wunsches. Man hört, die Sorge, die sich dahinter verbirgt, fühlt sich aufgenommen in das Fühlen eines Anderen. Man fühlt sich behütet, verstanden, mitgenommen. Es tut gut, behütet, verstanden und mitgenommen zu werden. Es tut gut, in einer Zeit, in der Existenzen zu Grunde gehen, riesige Traditionsunternehmen straucheln, Tausende und Abertausende um ihr wirtschaftliche Zukunft bangen und der Angstmoloch Sars CoV-2 seine todbringenden Schatten voraus wirft. Dort, wo jetzt Hotels in Notkliniken umfunktioniert werden, wo Containerdörfer mit Etagenbetten entstehen oder Hallen zu Lazaretten ausgebaut werden wird schon bald Gevatter Tod einziehen. Eines ist sicher, wenn diese Betten gebraucht werden, beginnt auch bei uns das einsame Sterben, hält ein Siechtum Einzug, das von Angehörigen abgeschottet, in der totalen Einsamkeit zu Ende gehen wird. Diese Betten sind für jene vorbereitet, die erkranken, wenn uns die Welle der Infektionen am schlimmsten trifft. Wenn Ärzten und allen medizinischen Helfern das Heft des Handelns von Gevatter Tod schon längst aus der Hand genommen worden ist. Diktiert einmal das Sterben den Alltag in diesen Behelfskliniken werden die Helfer unwillkürlich zu Knechten jenes Todes der in seiner Unbarmherzigkeit seinen Daumen dadurch senkt, dass die Beatmungsgeräte nicht mehr ausreichen. Er trifft dann die letzte Entscheidung durch die Wahl desjenigen, der entscheidet, wem die Zufuhr von Sauerstoff noch gewährt wird. Ich gestehe es freimütig: Davor habe ich eine Scheiß-Angst.
Vielleicht gerade deshalb ist der ehrlich gemeinte Gruß so wohltuend, so hoffnungsspendend, so umsorgend, dass man nicht mehr müde wird ihn zu hören. Viel wichtiger aber ist es ihn auch zu sagen oder zu schreiben: Also: „bleib g’sund!“

Wolfgang Lichtenegger
Herausgeber des VIT-Journals

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